Native Instruments Vokator
Vokator ist ein mächtiges Tool von Native Instruments. Aber was kann es? Vokator ist ein Vocoder, der nach dem Prinzip des so genannten Phase – Vocoder arbeitet. Hierbei werden die Eingangssignale an den beiden Eingangskanälen auf ihre Frequenz-Zusammensetzung analysiert. Kombiniert man nun die Phaseninformation der jeweiligen Eingänge entsteht ein neues Signal am Ausgang, welches die klanglichen Eigenschaften von Kanal A und B enthält.
Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass man so die coolen Computerstimmen bekommt, die in vielen Technostücken enthalten sind.
Öffnet man das Programm, sieht man erst einmal ein kleines Fenster, das nicht sehr viel aussagt. Dieser Zustand ändert sich aber gewaltig, wenn man auf den „Edit“ – Schalter drückt. Nun hat man die ersten Möglichkeiten, den Sound beliebig zu verändern.
Das Programm ist generell in drei Sparten aufgeteilt: Input A, Input B und Output.
Input A ist der Fileplayer, der wie ein Tapedeck funktioniert. Hier werden die Originale hineingeladen. Will man eine Sequenz, sei es zum Beispiel eine Stimme oder einen Flächensound, benutzen, muss man sie hier erst einmal hineinladen. Dabei ist aber mit dem Fileplayer, der auch per MIDI steuerbar ist, noch nicht Schluss: Es gibt beim Fileplayer gleich drei Bearbeitungsbereiche. Diese wären die Dynamikveränderung, ein gut klingendes Delay (Echo) und eine weitere Effektstelle, in der noch andere Effekte, wie Transformer, Pitch, ect. vorhanden sind.
Mit den Effekten ist aber lange noch nicht Schluss. Es gibt sogar die Option Spektral – Effekte, die wie ein gewöhnliches Plug-In zu laden sind. Diese Effekte sind eine Sammlung von außergewöhnlichen Effekt-Algorithmen. Insgesamt stehen 15 Algorithmen zur Verfügung.
Manch eine Bearbeitungsfunktion kommt einem beim Ergebnis ziemlich bekannt vor. Man kann also schon mit dem Input A eine Menge anstellen.
Noch schöner wäre es gewesen, wenn man die Anzeige des Fileplayers hätte aufzoomen können. Dies wurde aber leider nicht realisiert.
Der Outputbereich fällt beim erstmaligen Betrachten sehr auf. Alle Signale, die das Programm verlassen, können hier nicht nur über eine Spektralanalyse betrachtet, sondern auch mittels der Hilfslinie verändert werden. Man hat also den Equalizer gleich mit dabei.
Die Bearbeitung der Sounds ist dabei kinderleicht. Will man den Sound verändern, so muss man einfach mit der linken Maustaste einen Hilfspunkt setzten und diesen dann verschieben. Das Ergebnis hört und sieht man sofort.
Input B ist beim Vokator am interessantesten. Hiermit kann man so richtig loslegen! Lässt man das File einfach laufen, hat man fünf „Spielfunktionen“ zur Auswahl, wobei die einzelnen Spielarten untereinander teilweise kombiniert werden können. Wir entscheiden uns für den gängigsten Modus und wählen „A * B“. Es werden also Signal A und Signal B miteinander „verwurschtelt“. Des Weiteren stehen noch die Funktionen „B * A, Mix, A + B“ und die Zusatzmodi „Life, Mix und Sync“ zur Verfügung. Nun kann man meinen, dass „A * B“ und „B * A“, wie in der Schule, das Gleiche ergeben. Dies ist hier aber nicht der Fall. Daher sollte man ruhig beide Funktionen ausprobieren.
Input B enthält ebenfalls die gleiche Effektsektion, wie oben beschrieben. Damit aber nicht genug, hier ist noch ein eigener Sampler eingebaut. Diesen kann man manuell per MIDI oder im Stepsequencer-Modus bedienen. Besonders positiv ist uns außerdem noch aufgefallen, dass dem Vokator eine eigene virtuelle Klaviatur verpasst wurde. Hat man mal eben kein MIDI-Keyboard zur Verfügung, geht’s also auch per Maus. Weiterhin steht dem Sampler noch ein Filter und eine ADSR-Hüllkurve zur Verfügung. Beim Input B ist aber damit noch nicht genug: Es steht zusätzlich noch ein eigener Synthesizer bereit. Dieser hat natürlich eigene Preset-Klänge und als zusätzliches Bonbon kann man natürlich alles einzeln abspeichern und dann die Klänge „morphen“, quasi die Synthie-Einstellungen in Echtzeit verschieben. So entstehen coole Gimmicks, die sonst nicht so einfach realisierbar wären.
Im untersten Panel des zweiten Inputs stehen zusätzlich vier LFOs und zwei weitere Step Sequencer zur Verfügung. Nun kann man natürlich alle Funktionen einzeln kombinieren. Mit bis zu 1024 Bändern, die verändert werden können, kann somit eine Menge angestellt werden. Wer nun aber denkt, dass man mit der höchsten Auflösung das beste Ergebnis erzielt, der irrt! Man muss sich nämlich darüber im Klaren sein, dass diese hohe Auflösung erst einmal beherrscht werden muss. Früher war bei 32 Bändern das Maß aller Dinge erreicht. Nun geht es aber weiter…
Zusätzlich nützlich ist die Schreibablage. Hier können Informationen abgelegt werden. Wer jetzt befürchtet, dass das Programm aus einem großes Fenster besteht, der kann beruhigt sein: Man kann sich natürlich alles auf einmal anzeigen lassen. Dies erscheint aber nicht sinnvoll, da man meistens nicht alles braucht und man außerdem nicht scrollen kann!
Die Devise lautet aber: what you see is what you need!
Die veränderten Parameter werden natürlich bei Verschluss einzelner Sektionen oder sogar ganzer In- oder Outputs nicht verworfen. Sie werden nur versteckt, bis man sie wieder aufruft.
Wie oben schon erwähnt, gibt es den Group-Modus. Dieser kann den Klang eines klassischen Bandbass-Vocoder erzeugen. Im Ausgangszustand sind die Gruppen der Kanäle A und B im Verhältnis 1:1 zugeordnet und entsprechen sich in der jeweiligen Bandbreite. Das bedeutet, dass im A * B-Vocoder-Modus die Energie der Gruppe 1, hier Kanal B, als Steuersignal für die Energie der Gruppe 1, Kanal A, verwendet wird. Durch Veränderung der Gruppenzuordnung können beispielsweise ausgewählte hohe Frequenzen eines Eingangskanals tiefe Frequenzgruppen des anderen Kanals kontrollieren.
Durch Veränderung der Gruppenzuordnung können klanglich sehr spannende Ergebnisse erzielt werden.
Abschließend muss man sagen, dass der Vokator von Native Instruments ein Werkzeug der besonderen Art ist. Für 250,- € bekommt man eine Menge geboten. In der Regel sind solche Tools in Hardwareform wesentlich teurer. Zu dem Programm bekommt man eine ausführliche Bedienungsanleitung in mehreren Sprachen. Es unterstützt Windows 98/ME/2000/XP, Mac OS 9.2 und Mac OS X. Vokator ist nicht nur eine Stand-Alone-Software, man kann ihn auch als Plug-In laden. Supportet werden VST 2.0, Audio Units, DXI 2, ASIO, Soundmanager, Core Audio, Direct Sound und RTAS.
Dass man bei dem Programm nicht scrollen kann und zu kleine Schriften verwendet werden, kann bei der Fülle der Features als Schönheitsfehler angesehen werden.
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